Tür von denkmalgeschütztem Fachwerkhaus

3. Advent: Fachwerkhaus in Witzhelden

denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in WitzheldenAm Markt 12, Leichlingen – Witzhelden

Hinter dem heutigen Türchen versteckt sich ein kleines Fachwerkhaus aus Witzhelden.

Witzhelden, seit der kommunalen Neugliederung 1975 ein Stadtteil von Leichlingen, liegt zwischen Burscheid und Solingen auf einer der ersten Anhöhen des Bergischen Landes. Um 1184 erstmals in einer Bulle von Papst Lucius III. erwähnt, bestand Witzhelden aus nur wenigen Gebäuden – drum herum kleine Ortschaften und ein Rittersitz. Das eigentliche Zentrum bildet der Ortskern mit der Kirche und den Gebäuden „am Markt“. Die Kirche, deren erster Vorgänger aus dem 12. Jahrhundert stammt, besteht heute aus einem barocken Schiff mit davor gelagertem romanischen Turm und bildet den östlichen Teil des Ensembles. Ansonsten ist der alte Marktplatz umgeben von zweigeschossigen, traufständigen Fachwerkhäusern mit Sattel- oder Krüppelwalmdach, zweiflügeligen Sprossenfenstern und teilweise verschieferter Fassade. Zu einem dieser Häuser – nämlich „am Markt 12“ – gehört das heutige Türchen. Am Markt 11 (früher Burscheider Straße 2) und am Markt 12 bildeten zusammen mit einer Scheune einen Bauernhof, der zuletzt als solcher durch die Familie Schwarzenberg genutzt wurde ehe er verkauft und die Gebäude umgenutzt wurden. Die Umbauten inkl. der umfangreichen Sanierung der stark verfallenen Gebäude wurde Anfang der 1990er Jahre vollzogen.

Das 1983 unter Schutz gestellte, zweigeschossige Gebäude „am Markt 12“ steht auf einem mit Ziegel sanierten, ausgetauschten, nur noch an einigen Stellen sichtbaren Sockel, welcher leicht vor dem aufgehenden Fachwerk hervorsteht. Darauf liegt das Eichenholzfachwerk, schwarz gehalten, mit den weißen Gefachen (ursprünglich aus Lehm, verputzt). Zur Burscheider Straße bzw. dem Gebäude „am Markt 11“ hin trennt ein verzierter Rähm das Erdgeschoss vom ersten Obergeschoss.

Der westliche Giebel ist vollständig verschiefert. Das östliche Giebeldreieck war ebenfalls ehemals verschiefert. Das Fachwerk liegt jedoch aktuell frei. Ortgang und Traufen des mit anthrazitfarbenen Hohlziegeln eingedeckten Krüppelwalmdaches haben nur einen schmalen Überstand. Auch wenn die Fenster nicht mehr die originalen sind, orientieren sie sich an dem ursprünglichen Bestand – leicht aufrechtes Format mit Futter und leicht profilierter Bekleidung – und gehen nach wie vor nach außen auf. Das Glas der Fenster ist durch Sprossen in liegendem Format geteilt.

Das Gebäude wird typisch traufständig erschlossen. Die zum Marktplatz hin liegende, doppelflügelige Haupteingangstür mit ehemals Oberlicht mit Ellipsensprossen liegt asymmetrisch in der Fassade. Die rückwärtige Eingangstür hingegen liegt in der Mittelachse und ist einfach gehalten, hatte ehemals jedoch auch ein Oberlicht.

Diese beiden Eingangstüren sind ebenfalls typisch für den dem Haus zugrunde liegenden Grundriss. Ein Raum mit sich gegenüberliegenden Türen, oft begleitet von flankierenden Dielenfenstern wie hier im Falle der hinteren Tür, bilden die Mittelachse.

Durch dendrochronologische Untersuchungen lassen sich zwei Bauphasen ausmachen: einmal eine Baumaßnahme um 1717/18 (nachgewiesen im Eckständer) und eine um 1743/44 (nachgewiesen im Giebel). Der Baubeginn ist jedoch weiter undatiert.

denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in Witzhelden

Gastbeitrag von:

Denkmalschutz Fachfrau

Michaela Böllstorf

Nach ihrem Architekturstudium arbeitete Michaela unter anderem für das Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften und das Bundesdenkmalamt in Österreich sowie für eine für den Denkmalschutz zuständige, staatliche Dienststelle in Deutschland.

 

 

 

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