Das Haus im Walde

Ich bin ja nun wirklich für den Erhalt von Häusern und das kluge Sanieren dieser, aber manchmal bekommen wir, als Makler, Sachen zu sehen, die glaubt uns kein Mensch und diese Häuser sind leider tatsächlich so kaputt gewirtschaftet, dass sie nur noch abgerissen werden können. Das schlimme ist, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass es Maklerkollegen geben wird, die diese Immobilien ohne Scheu versuchen werden an den „Mann zu kriegen“ und zwar mit denselben lockenden Aussagen, die uns die Verkäufer entgegen schmettern.

Makler gesucht für Haus von Überlebenskünstler in Düsseldorf

Aussage des Verkäufers am Telefon:“Ich habe ein Haus zu verkaufen. Tolle Lage, muss etwas renoviert werden, aber viel Fläche! Wo bekommt man sowas noch? Im Souterrain kann man die Räumer perfekt für Kinder ausbauen. Das ideale Haus für Familien! Ich habe erst vor Kurzem noch das Bad saniert, es sind also wirklich nur kleinere Renovierungen von Nöten.“

Nun fahr ich in die besagt Straße und suche. Wo verdammt nochmal soll sich das Haus befinden? Ich parke, steige aus und suche die Hausnummern ab. Zwischen Haus 35 und 39 befindet sich ein Waldstück. Wo verdammt nochmal soll Haus 37 sein? Da entdecke ich einen Trampelpfad durch die Bäume und erahne an seinem Ende ein kleines Haus.

Baujahr geschätzt Ende der 50er Jahre Anfang 60er Jahre. Der Eigentümer öffnet mir freudig die Türe und führt mich herum. In seinen Augen zeigt er mir gerade das Schloss Versaille, das er auch dementsprechend bitte bezahlt haben möchte.

Im Waschbecken des Bades liegen Töpfe zum Spülen, denn eine Küche gibt es nicht – eigentlich sind Bad und Küche derselbe Raum. Als ich ihn frage, wo er denn isst, kommt eines meiner beruflichen Highlights. Er zeigt auf seine Toilette, neben der ein Tisch steht. „Stühle kosten doch nur Geld, da sitze ich viel bequemer. Praktisch, ne?“ Ich muss mir ein Lachen mehr als verkneifen, denn er meint das ernst.

Runter geht es in den so genannten Souterrain, der sich als Kellergeschoss mit kleinen Fenstern zum Lüften heraus stellt. Während er mir die Vorteile dieser Räume für Familien mit Kindern anpreist, frage ich mich, ob der Schmutz in der Ecke tatsächlich Mäusekot ist und ob die schwarzen Flecken in jedem Raum bereits als gesundheitsgefährdend einzustufen sind? „Vielleicht sollte ich den Chef nach einer Gefahrenpauschale nachher im Büro fragen?“ schießt es mir durch den Kopf – fast wäre mir das laut heraus gerutscht.  Wäre wohl peinlich geworden …

Im gesamten Haus sind die Heizungen aus und die Fenster offen. Das Erste ist wohl für die schwarzen Flecken verantwortlich, das Zweite dafür da, um den Gestank dieser wieder weg zu bekommen. Ich friere mir echt den A…. ab, Frühling 2017 fühlt sich an wie Winter und stinkt hier auch noch dazu. Mehr und mehr weiß ich nicht, ob ich nun lachen oder weinen soll. Vor mir findet Comedy statt, nur dass der Hauptdarsteller keine Ahnung davon hat.

Ich setze mein Pokerface auf und lächle nett und professionell. Während mir nun erklärt wird, was dieser Palast wert ist (ca. 1,2 Mio Euro … ) und welcher Nachbar alles heiß auf sein Haus wäre, habe ich mich bereits geistig verabschiedet.

Ich höre ein Flugzeug über mich rauschen und überlege, ob es wohl landet oder startet, der Lautstärke nach zu urteilen müsste es sich gerade auf den Weg ins Warme machen. Ich bin neidisch!

Er hört auf zu sprechen und erwartet eine Preiseinschätzung von mir, ich lächle weiter professionell und nenne ihm den Grundstückspreis ( ca. 600.000 Euro). Er schaut erstaunt:“ Und wie werten Sie das Haus ein?“ Ich denke kurz noch einmal nach und antworte:“ Das war der Preis für das Haus.“ Mit seinem verdatterten Gesichtsausdruck verabschiede ich mich freundlich, freue mich auf meine Sitzheizung im Auto und weiß jetzt schon, dass ich die Immobilie in einiger Zeit im Internet zu dem Wunschpreis des Verkäufers sehen werde.

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