Glashüttensiedlung in Düsseldorf Gerresheim

Die Glashüttensiedlung – erhaltene Industrialisierungsgeschichte in Düsseldorf-Gerresheim

Jeden Morgen durchquere ich auf dem Weg zur Arbeit den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim. Ich reihe mich ein in die Perlenkette aus Autos, die über die Brückenschleife der Bahngleise führt, auf dem Weg hinunter einen Blick auf das alte Glashüttengelände (zu dem ich ein anderes Mal etwas schreiben werde) gewährt bekommt, am historischen und frisch sanierten Bahnhofsgebäude vorbei fährt und in dem Stau an der Kreuzung zur Torfbruchstraße zum Stehen kommt. Lauter müde Gestalten, die ihren Weg zu einem acht oder mehr Stunden Tag bald antreten.

Und während ich dort jeden Morgen mit im Stau stehe, schweift mein Blick nach rechts. Dorthin, wo die kleinen, eingeschossigen Reihenhäuschen, die ein skurriles Bild zwischen den Mehrfamilienhäusern abgeben, stehen. Alles wirkt so unwirklich, wenn durch die schmalen Straßen die Morgensonne scheint und die Haussockel in dem aufsteigenden Dunst verschwinden.

An die einst weltberühmte Glashütte erinnert auf der anderen Straßenseite nur noch der große Turm mit dem „G“ drauf, der einsam auf der Brachfläche steht. Ein riesiges Neubaugebiet soll hier entstehen. Sei es drum, die kleine Siedlung steht hingegen unter Denkmalschutz und darf damit weiter ihre bald 150 Jahre alte Geschichte erzählen.

Von außen schreckt die kleine Hausformation, zur Schande der Stadt, leider ziemlich jeden ab. Teilweise leerstehende Häuser, deren Fenster mit Zeitungspapier zugeklebt sind, Graffitis und ungepflegte Fassaden. Immer wieder liest man in den Zeitungen von den Kämpfen, die die Bewohner der Siedlung mit der Stadt Düsseldorf ausfechten. Dabei sollte doch genau an solchen geschichtsträchtigen Orten die Landeshauptstadt Interesse haben ein wenig mehr zu investieren.

Ein wenig geschichtliche Hintergründe zur Glashüttensiedlung

Ferdinand Heye errichtete in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Glashütte, deren Produkte weltberühmt wurden. Unter anderem wurde hier die Glasflasche, die wir alle aus dem Getränkemarkt kennen, entwickelt – gleiche Flaschen, mit gleichen Maßen und nur unterschiedlichen Etiketten. Für seinen hohen Qualitätsanspruch warb er besonders Glasbläser aus Osteuropa an, die von ihm kostenlose Unterkünfte gestellt bekamen. Die kleinen Reihenhäuser mit Nutzgarten waren speziell für die Bedürfnisse der Fabrikarbeiter konzipiert. Eine Schlafkammer ohne Fenster, nur mit Lüftungsöffnung, sollte nach einer Nachtschicht einen erholsamen Schlaf bringen. Der Brunnen im Zentrum versorgte alle Bewohner der Siedlung mit Frischwasser und ein Markt gab ihnen die Möglichkeit frische Lebensmittel einzukaufen. 7,5-Stunden-Schichten noch bevor irgendwer zu dieser Zeit den Begriff „work-life-balance“ kannte. Ein Arbeitgeber, der in seine Arbeiter investierte und damit eine höhere Produktivität erreichte. Erinnert mich irgendwie an viele sehr aktuelle Diskussionen zu dem Thema. Da es aber hier mehr um Architektur geht, kannst du bei Wikipedia etwas mehr zu Ferdinand Heye nachlesen.

Ein Blick hineinwerfen lohnt sich ungemein …

Der Geist dieser besonderen Bauten ist auf jeden Fall noch bis heute erhalten. Traut man sich an der schmuddeligen Straßenfront vorbei, hinein in die kleinen Privatstraßen, strahlen einem plötzlich bunte Geranien von den Fensterbänken entgegen. Man erahnt liebevoll angelegte Gartenparadiese hinter den Häuserreihen, und bekommt eine Vorstellung von dem positiven Wohn-Charakter, den sein Planer sich für seine Arbeiter damals wünschte. Und während die Sonne so langsam sich ihren Weg durch den Morgendunst bahnt, die roten Dachziegel zum Leuchten bringt und ich noch kurz den spannenden Kontrast zu dem dunklen Ziegelmauerwerk bewundere, springt die Ampel vorne endlich auf Grün und ermöglicht der Auto-Perlenkette die Weiterfahrt in Richtung Stadtzentrum.

Glashütte in Düsseldorf-Gerresheim

Der Blick auf das Neubaugebiet und frühere Glashüttengelände

Gerresheimer S-Bahnhof vor der Glashütte

Der Blick von der Siedlung zum Bahnhof Gerresheim

Glashüttensiedlung in Düsseldorf-Gerresheim

Vorderste Häuserreihe

Glashüttensiedlung in Düsseldorf-Gerresheim

Die früheren Nutzgärten für die Arbeiter

Glashüttensiedlung in Düsseldorf Gerresheim

Verlassenes Haus

Glashüttensiedlung in Düsseldorf-Gerresheim

Magische Stimmung am Morgen

Glashüttensiedlung in Düsseldorf-Gerresheim

Blick in eine der Privatstraßen der Glashüttensiedlung

Glashütten-Siedlung und Düsseldorf-Gerresheim

Blick in eine der Straßen der Glashüttensiedlung

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Comments 2

  1. Tolle Bilder. Wenn du mal Zeit, Geld und Lust hast für einen Ausflug, würde ich dich gerne mal in Bamberg begrüßen dürfen! Da dürfte dein Herz höher schlagen :-). Wir haben so tolle Stile da und kleine versteckte Gassen mit schiefen Häusern und vielen Figuren und Stuckarbeiten. Gerade solche Gassen wie bei dir auf den Bildern finde ich sehr schön und einladend. Hat ein besonderes Flair.

    lg Nadine von Nannis Welt

    1. Post
      Author

      Ich sag dir auf jeden Fall Bescheid, wenn ich nach Bamberg komme. Da bin ich ja gespannt auf meine persönliche Führung 🙂

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