Wie arbeiten Immobilienmakler

Goldene Nase verdienen – aber sowas von …

Auf meinem letzten Flug (hier ging es hin) hatte ich während der letzten halben Stunde eine nette Unterhaltung mit einer älteren Dame. Diese fand die Bezahlung von Immobilienmaklern extrem unfair, denn wir würden uns ja alle nur eine goldene Nase verdienen. Wie immer, wenn ich so etwas höre, musste ich herzhaft lachen. Was sie komplett verwirrte. Ja, ich kann da nur drüber lachen! Hahaha! Im ernst jetzt?

Eine einzelne Provision mag demjenigen, der sie bezahlen muss, wie sehr viel Geld erscheinen, aber mal darüber nachgedacht, dass wir erstens auch Ausgaben haben und zweitens für diese Provision, wenn es gut läuft, ca. drei Monate, wenn es richtig mies läuft, auch mal mehr als ein Jahr gearbeitet haben? Und ja, wir arbeiten da wirklich für!

Gehen wir mal davon aus, dass du an einen seriösen Makler geraten bist, dann hat dieser bereits, bevor du eine Anzeige in den Internetportalen siehst, ca. vier Wochen Unterlagen besorgt und geprüft, den Markt analysiert und den Verkäufer beraten. Es wurden Fotos aufgenommen, bearbeitet, ein Verkaufs-Exposé erstellt, die Karteikunden durchgecheckt, ob für einen von diesen die Immobilie passen könnte etc. etc. etc.

Auf geht es in die Vermarktung!

Nach der ganzen Vorarbeit geht es endlich los. Jaja – ein paar Besichtigungen gemacht und peng – viel Geld verdient. Sorry, ich lache wieder herzlich. Für ein normales Mittelstandshaus im Düsseldorfer Umland hat man bis zum Finden des Käufers ca. 90 Kontaktanfragen und ca. 30 Erstbesichtigungen. Dazu kommen dann noch die Zweittermine, Gutachtertermine etc. Eine Kontaktanfrage bearbeiten dauert ca. 10 Minuten, eine Besichtigung ca. 45 Minuten (inkl. Anfahrt und Rückfahrt manchmal auch länger), ach ja und hin und wieder ruft tatsächlich, frecher Weise, auch ein Kunde an und will mit mir reden. Taschenrechner gezückt und ausgerechnet … ja, nicht verrechnet, für den ganzen Vorgang benötigt man quasi mehr als eine ganze Arbeitswoche. Aber warte! Leider hast du ja keine Zeit morgens unter der Woche – NATÜRLICH kommen wir gerne am Wochenende raus und abends und an Feiertagen und eigentlich steht uns eh keine freie Zeit zu …

Verdammt, was für einen Job habe ich da nur gewählt?

Da will einer kaufen

Halleluhja, jetzt werde ich aber reich, richtig? Nein? Verdammt! Da giften sich plötzlich ein Verkäufer, der nämlich im Schloss wohnt (Beispiel hier) und ein Käufer, der eine Bruchbude erwirbt, an (es handelt sich tatsächlich um das selbe Haus). Ja, ich stehe darauf angemault zu werden, weil ich in der Mitte stehe und vermitteln muss. Ah, und die Finanzierung hackt? Warum? Weshalb? Weiß keiner! Naja, spreche ich eben auch noch mit dem Banker und finde eine Lösung. Im Lösungen finden bin ich ja ganz gut mittlerweile.

Du willst den Kaufvertrag einfach so unterschreiben? Sorry, ich habe schon einmal vorab mit dem Notar gesprochen, alle Mängel sind mittlerweile rechtssicher aufgenommen, dass niemand hier haftbar gemacht werden kann und der Käufer ordentlich aufgeklärt ist.

Endlich darf ich eine Rechnung schreiben

Jetzt aber erst einmal in den Urlaub fliegen! Wie geht nicht? Ach ja, die beiden Parteien waren sich ja schon vorher nicht so grün, nach der Unterzeichnung sprechen sie zwar wieder miteinander, aber trauen tut hier noch längst niemand irgendwem. Also wird weiter betüddelt und die Übergabe natürlich auch mit begleitet. Und danach? Ja da kommen dann plötzlich auch noch die dollsten Geschichten zum Vorschein. Wasserrohre, die plötzlich in alle Richtungen spritzen, weil dem Sachverständigen nicht aufgefallen ist, dass die alle hinüber sind? Kein Problem, der Makler findet schon eine Lösung, dass alle wieder ruhig schlafen können.

Ich könnte jetzt noch aufzählen, was uns die ganzen Internetportale kosten, was uns Print-Anzeigen kosten, Mitarbeiter, die das Büro besetzen, damit wir immer erreichbar sind, die ganze benötigte Technik, Software und das wir natürlich nicht nur von einem Objekt leben können, sondern mehrere parallel betreuen und all das andere bla blub bla

… ich jammere aber ungerne, denn eigentlich habe ich einen der coolsten Jobs auf dem Planeten. Nein, reich werde ich damit ganz sicher nicht. Ich darf dafür Träume verwirklichen, Scheidungspaaren zu einer halbwegs friedlichen Einigung helfen, trauernden eine Schulter bieten und das Erbe würdevoll an nette neue Eigentümer vermitteln. Ich darf hin und wieder in Penthäusern stehen, die ich mir wohl auch in zwanzig Jahren noch nicht leisten kann und Atmosphäre von 150 Jahre alten Mauern inhalieren (meistens jedoch laufe ich fast blind durch das 300ste Reihenhaus, weil die eh alle gleich aufgeteilt sind).

Und nur, weil es da oben an der Spitze ein paar Makler gibt, die im Porsche zur Besichtigung kommen, heißt das nicht, dass die restlichen 99% der Makler sich diesen auch leisten können. Ist eben wie in jedem Job. Und wer neidisch ist, es werden ständig Immobilienmakler gesucht, weil die meisten nach ca. einem halben Jahr wieder hinwerfen. Der Grund? Vielleicht liegt es ja an der unterirdischen Bezahlung der Jungmakler, die meinen so ein Haus verkaufen, das mache ich doch mit Links. 😉

Comments 2

  1. Ich glaub ich mag deine Maklergeschichten 😀

    Auch hier habe ich eine Anmerkung zu machen, denn ich sehe das tatsächlich ein wenig anders, aber dafür kann der Makler am Ende nichts! Zunächst einmal werden in Berlin 7,14% (inkl. MwSt.) Provision auf den Kaufpreis veranschlagt. Finde ich ziemlich viel, wenn man davon ausgeht, dass der Käufer selbst im Internet suchen musste und die Türe zum Kaufobjekt 1-2 aufgesperrt bekommen hat. Gut den Notartermin darf man nicht vergessen und die Vorarbeit natürlich auch nicht.

    Wäre es aber nicht gerechter, wenn der der den Makler beauftragt die Provision zahlen müsste? Also in diesem Fall eigentlich immer der Verkäufer? Da ich vor einiger Zeit erst gekauft habe, bin ich tatsächlich davon ausgegangen, dass ich den Makler beauftrage und dieser mir ein paar hübsche Immobilien heraussucht, aber Pustekuchen, ich musste selbst suchen. Was ich persönlich daran unfair finde, dass ich als Käufer dafür zahlen muss, dass der Verkauf vielleicht viel Arbeit mit sich gebracht hat, aber der eigentliche Service wofür ich zahlen würde gar nicht vorhanden war. Verstehst du was ich meine?

    Liebe Grüße und ein ganz erfolgreiches 2018.
    Stefanie*

    1. Post
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      Absolut verstehe ich, was du meinst. Und ich bin da ganz auf deiner Seite. In NRW ist es übrigens so geregelt, dass die Gesamtprovision von 6% + MwSt.(zumindest in der Theorie) auf Verkäufer und Käufer 50-50 aufgeteilt wird. Wird zwar meist dadurch umgangen, dass der Käufer nur zahlt, aber dann eben nur 3,57%. Ich persönlich finde die 50-50 Regelung bei einem seriösen Makler absolut fair, da wir dann auch den Kaufinteressenten bzgl. guter Finanzierungsberater und Handwerker beraten, mehrmals mit ihm in die Immobilie gehen, ihm die Unterlagen für die Bank im Vorfeld aufbereitet haben und ihn auch nach Kaufvertragsunterzeichnung noch in das neue Zuhause lassen, damit er zum Beispiel schon einmal mit Handwerkern die ersten Dinge besprechen kann. Ich erlebe es daher auch regelmäßig, dass Käufer, trotz gezahlter Provision, uns noch einen kleinen Dankesbrief schreiben oder ähnliches.

      Die ganze „nur-der-Käufer-zahlt-Situation“ hat im Übrigen auch viel mit der aktuellen Marktlage zu tun. Wenig auf dem Markt, viele Interessenten. Damit sind die Verkäufer in der besseren Position und können etwas den Markt bestimmen.

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