Finanzielle Hilfsmittel im Denkmalschutz

Serie zum DSchG Teil 6: Ohne Moos nix los – Exkurs zur direkten finanziellen Unterstützung von Denkmälern und Altbausubstanz

Direkte und indirekte Förderung

Wer ein Denkmal besitzt übernimmt per Denkmalschutzgesetz automatisch die Pflicht, das Denkmal nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zu erhalten. Oftmals ist dies mit Mehrkosten durch denkmalpflegerische Auflagen verbunden. Die entstehenden Mehrkosten werden – so sehen es die Paragraphen 35 und 36 des Denkmalschutzgesetzes vor – direkt durch öffentlichen Fördermittel im Rahmen der Bundesprogramme, der Landesprogramme zur Stadt- und Dorferneuerung sowie von kommunalen und regionalen Programmen, durch Stiftungen oder zinsgünstige Darlehensprogramme wie auch indirekt gefördert und der Denkmaleigentümer somit ein Stück weit entlastet. Für die Inanspruchnahme von Förderungen muss jedoch eine denkmalpflegerische Erlaubnis vorliegen (siehe Artikel „Jetzt darf ich nichts mehr!?“).

Der Blogbeitrag des Monats Mai wird sich mit der direkten, der des Monats Juni mit der indirekten Förderung beschäftigen.

Eine direkte Förderungsmöglichkeit kann in Form von Auszahlungen oder in Form von zinsgünstigen Krediten erfolgen. Ein Rechtsanspruch besteht – entgegen der indirekten Förderungen durch Steuervergünstigung – jedoch nicht. Teilweise schließen sich Bezuschussungen untereinander aus.

Seit 1992 besteht der traurige Trend, die zur Verfügung gestellten Mittel für direkte Denkmalförderung immer weiter zu senken, obwohl schon 1992 – in der aktuell höchsten Jahresförderungssumme – der Betrag nicht auskömmlich war. Aktuell sind wir an einem Punkt angelangt, bei dem der städtische Haushalt aufgrund der Haushaltskonsolidierung in Zusammenhang mit Landesmitteln keine direkte Förderung mehr möglich machen. Das Land hat seine Förderung seit Oktober 2013 auf Darlehen umgestellt. Trotz allem seien diese Förderungen unten kurz erwähnt.

Direkte Förderung durch Bund/Land/Kommune/Region

Pauschalzuweisungen
gem. Förderrichtlinien Denkmalpflege

WER:    Private Denkmaleigentümer

WAS:    kleinere Denkmalpflegemaßnahmen

WO:      auf Nachfrage bei der Unteren Denkmalbehörde der jeweiligen Kommune

Einzelförderungen

gem. Förderrichtlinien Denkmalpflege, durch die Bezirksregierungen aus Mitteln des Landes NRW

WER:    Private Denkmaleigentümer

WAS:    größere Denkmalpflegemaßnahmen (ab ca. 40.000€ denkmalpflegerische Kosten), die aufgrund denkmalpflegerischer Auflagen mit einer erhöhten finanziellen Belastung verbunden sind

WO:      bei der Bezirksregierung

WEB

Städtebaulicher Denkmalschutz des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)

zur Förderung von nachhaltiger und zukunftsfähiger Stadtentwicklung

  • Programm Städtebaulicher Denkmalschutz für den Erhalt historischer Stadtkerne und Stadtquartiere
  • Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen
  • Aktive Stadt- und Ortsteilzentren für die Innenentwicklung
  • Stadtumbau für die Anpassung an den demographischen und strukturellen Wandel
  • Soziale Stadt für integrativ-offene Ansätze in baulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligten Quartieren

WEB

Zuwendungen von landwirtschaftlich und ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäude bzw. Hofanlagen

WAS:    landwirtschaftlich und ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäuden

WO:      über die Untere Denkmalbehörde

Direkte Förderung durch Stiftungen

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

WER:    Privatpersonen, private gemeinnützige Einrichtungen, Religionsgemeinschaften, Kommunen, Landkreise

WAS:    Maßnahmen an Denkmälern, bei denen der Eigentümer nicht in der Lage ist, den auf in entfallenden Anteil alleine zu tragen

WO:      bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

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Deutsche Bundesstiftung Umwelt

WAS:    Modellvorhaben zum Schutz und zur Bewahrung umweltgeschädigter Kulturdenkmäler

WO:      bei der Deutsche Bundesstiftung Umwelt

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Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland  (KiBa)

WAS:    vor allem kleinere Dorfkirchen in den östlichen Bundesländern

WO:      bei der Stiftung KiBa

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Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege

WAS:    hauptsächlich kleinere und mittlere Baudenkmäler mit kultur-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Bedeutung

WO:      bei der Stiftung

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Wüstenrot Stiftung

WER:    steuerbegünstigte Körperschaften und inländische Körperschaften des öffentlichen Rechts

WAS:    Erhaltung und Wiederherstellung von Denkmälern

WO:      bei der Stiftung

WEB

Stiftung Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier

WAS:    im Zusammenhang mit dem Braunkohlenbergbau im rheinischen Revier stehenden archäologischen, insbesondere wissenschaftlichen bodendenkmalpflegerischen Maßnahmen

WO:      bei der Stiftung

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Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

WAS:    historische Industrieanlagen bewahren, sichern, wissenschaftlich erforschen, öffentlich zugänglich machen und eine neue, denkmalgerechte Nutzung zuführen

WO:      bei der Stiftung

WEB

Direkte Förderung durch zinsgünstige Darlehen

Direkte Förderungsmöglichkeiten sind sowohl für selbst genutztes Wohneigentum als auch für andere Immobilien möglich. Lange Tilgungsfristen werden nicht nur für die denkmalbedingten Mehrkosten einer Baumaßnahme, sondern für die Gesamtkosten des jeweiligen Bauvorhabens ermöglicht. Bezugsberechtigt sind Maßnahmen zur energetischen Erneuerung, Barrierefreiheit und zur denkmalgerechten Sanierung von Baudenkmälern und sonstiger „besonders erhaltenswerter Bausubstanz“.

NRW.BANK.Baudenkmäler

WER:    mittelständische Unternehmen, gemeinnützige Einrichtungen, Religionsgemeinschaften, Privatpersonen, die sich für den Erhalt ihres kulturgeschichtlich bedeutsamen Eigentums einsetzen

WAS:    Überwiegend nicht wohnwirtschaftlich, also gewerblich genutzte Gebäude, die entweder unter Denkmalschutz stehen oder eine denkmalwerte und/oder eine baukulturell wertvolle und besonders erhaltenswerte oder stadtbildprägende Bausubstanz aufweisen

WO:                 über die Hausbank an die NRW Bank, Bestätigung durch die Kommune einholen

WEB

RL Bestandsinvest der NRW Bank

WER:    Eigentümer von selbstgenutzten Wohngebäuden (bei MFH mind. eine Wohnung davon selbstgenutzt)

WAS:    bauliche Maßnahmen zur Modernisierung und Instandsetzung, die zur Erhaltung, Nutzung und Verbesserung des Gebäudes geeignet sind an denkmalgeschützten oder denkmalwerten und/oder städtebaulich und baukulturell erhaltenswerten Wohngebäude und das private Wohnumfeld

WO:      bei der Stadtverwaltung/Kreisverwaltung

WEB:    hier und hier

KFW Effizienzhaus Denkmal

WAS:    Schaffung von Wohnraum zusammen mit energetischer Ertüchtigung

WO:   bei der KFW Bank

WEB

Die jeweiligen Listen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Aktualität. Ich bin dankbar um jeden Hinweis zu zusätzlichen Förderungsmöglichkeiten oder zu veralteten Informationen.

Weiterführende Links

Richtlinien über die Gewährung von Zuwendungen zur Erhaltung und Pflege von Denkmälern (Förderrichtlinien Denkmalpflege):

hier

Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr NRW „Denkmalförderung in Nordrhein-Westfalen. Wege, Programme, Zuschüsse“, Düsseldorf, 2009.

 

Gastbeitrag von:

Denkmalschutz Fachfrau, Expertin für Denkmalschutz in NRW

Michaela Böllstorf

Nach ihrem Architekturstudium arbeitete Michaela unter anderem für das Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften und das Bundesdenkmalamt in Österreich sowie für eine für den Denkmalschutz zuständige, staatliche Dienststelle in Deutschland.

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