Schimmel im Haus, Sanierung, Denkmalschutz

Schreckgespenst Schimmel – ein Interview mit einem Profi

Schimmel im Altbau ist ja immer so ein Thema. Wer ist nicht schon einmal in einen Keller gekommen und hat diesen modrigen Geruch wahrgenommen? Damit die Angst etwas schwindet und das Wissen über diesen Bauschaden steigt, habe ich den Sachverständigen Claus-Peter Sommer zu dem Thema interviewt.

Schimmel im Haus, Sanierung, Denkmalschutz

Was sind die häufigsten Ursachen für Schimmel in bewohnten Räumen?

Die Ursache für Schimmel in Wohnräumen ist fast immer in einer zumindest temporär zu hohen Luftfeuchtigkeit auf Bauteiloberflächen wie Wärmebrücken zu suchen, in einer Durchfeuchtung der Bauteile durch von außen (Mangelnder Schlagregenschutz durch Risse oder andere Putzschäden)  oder unten eindringendes Wasser (Abdichtungsmängel). Zunehmend jedoch auch durch Wasserschäden, wie Leckagen an Heizungs- Trinkwasser- oder Abwasserleitungen. Schimmelpilzsporen sind immer und überall und brauchen kein flüssiges Wasser um auskeimen zu können. Da reicht schon eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 70% über wenige Tage…

Hinzu kommen Fehler der Nutzer beim zweckdienlichen Beheizen und Belüften der Räume. Diese machen jedoch nicht einmal 10% meiner Begutachtungen im Jahr aus. Vielmehr sind es meist die klassischen Fehler bei der Sanierung. Man zieht sich erst die Schuhe und dann die Strümpfe an, indem man einfach die alten Fenster gegen neue, teilweise zu dicht schließende und zu gut wärmedämmende austauscht, ohne sich Gedanken über die nutzerunabhängige Grundlüftung oder die Verlagerung des Kondenswasserausfalls vom Fenster auf die Wärmebrücken zu machen.

Hinzu kommen Baumaterialien, die aufgrund ihres ph-Wertes sauer statt basisch eingestellt sind und durch Kunststoffe wenig bis gar nicht in der Lage sind, überschüssige Feuchtigkeit sicher zu puffern. Mineralische Putze und Farben wie Kalk- und Lehmputze und auch Silikatfarben haben hier entscheidende Vorteile denn sie sind basisch (damit von Natur aus schimmelfeindlich eingestellt) und kapillaraktiv, d. h. sie können überschüssige Feuchtigkeit von der Oberfläche wegleiten und auch über einen kurzen Zeitraum sicher puffern. Gleiches gilt übrigens für Dämmstoffe wie Mineral- und Holzfaserplatten oder auch Klimaplatten aus Kalziumsilikat.

Warum gibt es Schimmel in leerstehenden Häusern?

Schimmelsporen gibt es immer und überall, so auch in leer stehende Häusern. Diese werden selten regelmäßig beheizt und belüftet, so dass der Schimmel seine Ruhe hat, zu wachsen. Schimmel mag keine bewegte Luft. Hinzu kommt, dass sich einschleichende Probleme wie undichte Wasserleitungen oder Dächer meist erst sehr spät erkannt werden.

Deshalb empfiehlt es sich, vor dem Kauf bei der Besichtigung einer gebrauchten Immobilie immer einen Sachverständigen hinzu zu ziehen, der das Objekt prüft damit aus dem Traum vom Haus nicht später ein Albtraum wird, quasi ein Fass ohne Boden…

Wie erkenne ich Schimmel?

Wenn auf Decken- und Wandflächen, Böden oder Mobiliar sich plötzlich grüne, schwarze oder graue flauschige Flecken bilden, die der Laie auch gern als Stockflecken bezeichnet, kann man eigentlich fast immer von einem Schimmelpilzbewuchs ausgehen. Oftmals ist auch ein muffiger, modriger Geruch nach Kartoffelkeller ein Alarmzeichen für einen möglichen Befall durch Schimmelpilze und Bakterien. Leider werden Bewohner recht schnell geruchsblind und nehmen diesen typischen Geruch in kürzester Zeit nicht mehr war. Deshalb ist es wichtig, einen neutralen Sachverständigen hinzuzuziehen wenn man den Verdacht auf einen Schimmelbefall hat.

Gibt es eine Möglichkeit Schimmel, noch bevor er sichtbar wird, aufzufinden?

Wenn es zu Geruchsbelästigungen kommt, ohne dass ein sichtbarer Befall vorliegt, sollte in jedem Fall ein unabhängiger Gutachter mit entsprechender Spezialisierung zunächst mit einer Begehung der Räume beauftragt werden. Aufgrund seiner Fachkenntnisse und der nötigen Erfahrung ist er in der Lage, mögliche Befallsherde einzugrenzen und beispielsweise mittels einer Raumluftanalyse zunächst nachzuweisen, ob ein verdeckter Befall im betreffenden Raum wahrscheinlich ist. Danach muss mittels Bauteilöffnungen festgestellt werden, wo der Schimmel wächst. Das kann z.B. in abgehängten Decken, hinter Vorsatzschalen aus Gipskarton oder Holzpaneelen oder auch in der Fußbodenkonstruktion der Fall sein.

Schimmel im Haus, Sanierung, Denkmalschutz

Was sind die besten Maßnahmen zur Vorbeugung?

Wichtig ist es immer die mögliche Ursache für einen Schimmelbefall sicher zu erkennen und nachhaltig abzustellen. Schimmel braucht Feuchtigkeit und organisches Material fürs Wachstum. Sorge ich für eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit und trockene Bauteiloberflächen, werden Schimmelsporen nicht auskeimen können. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die eigene Wohnhygiene. Schimmelsporenquelle Nr.1 ist nun mal der Hausstaub! Regelmäßiges Staubsaugen beugt also ebenfalls einem Schimmelbefall vor wie regelmäßiges (dreimaliges) Stoßlüften und eine Beheizung der Wohnräume auf 20°C oder mehr. Fehler beim Lüften werden zunehmend im Sommer gemacht, indem man die feuchtwarme Außenluft am Tage in die kühleren Wohnräume holt, wo diese auf den kühlen Innen- Nordwänden abkondensieren. Deshalb gilt im Sommer: Bitte möglichst nur abends, in der Nacht und ganz zeitig morgens lüften. Am besten dann wenn auf der Wiese vorm Haus die Tautropfen auf der Wiese glitzern…

Wenn dann aber „das Kind in den Brunnen gefallen ist“, wie bekomme ich den Schimmel bekämpft?

Grundsätzlich muss unverzüglich gehandelt werden. Es empfiehlt sich eigentlich bei jedem Schimmelschaden der größer als 0,50m² ist, einen herstellerunabhängigen Sachverständigen zu Rate zu ziehen, der das wirkliche Ausmaß des Befalls feststellt und vor allem die echten Ursachen. Werden die Ursachen nicht abgestellt, ist alles andere nur teure Kosmetik.

Deshalb bei kleinerem Befall: Fotos machen und den Befall mit Folie abkleben oder mit Isopropanol oder Wasserstoffperoxid zunächst oberflächlich abtöten, damit die Pilze keine weiteren Sporen bilden können und ihr Wachstum eingedämmt wird. Bei größeren Schäden sollte eine weitere Nutzung des Raumes möglichst nur eingeschränkt oder gar nicht stattfinden. Auch dazu berät ein Sachverständiger.

Die Entfernung selbst sollte durch einen herstellerunabhängig zertifizierten Fachbetrieb erfolgen. Hierbei ist sämtliches organisches Material im Befallsbereich wie Anstriche, Tapeten, gipshaltige Spachtelmassen bis 50cm über die sichtbare Befallsgrenze abzutragen. Dabei ist auf einen entsprechenden Staubschutz zu achten und anschließend eine Feinreinigung durchzuführen. Derartige Dinge kann ein Laie oder der „normale“ Maler nicht beherrschen. Deshalb gibt es geschulte Fachbetriebe, die dies nach den Empfehlungen des Sachverständigen durchführen können.

Sind die Ursachen abgestellt, sollten beim Wiederaufbau bzw. der abschließenden Renovierung möglichst Materialien zum Einsatz kommen, die baubiologisch unbedenklich und von Natur aus schimmelfeindlich sind. Der Einsatz von Fungiziden ist abzulehnen, da diese langfristig gesehen ebenso allergenes Potenzial in sich tragen können wie Schimmelpilze.

Gibt es Maßnahmen, die Sie besonders im Bereich Denkmalschutz empfehlen?

Ein Denkmal aus dem 19. Ins 21. Jahrhundert zu heben ist nicht ganz so einfach wie es scheint. Die alte Bausubstanz reagiert teilweise regelrecht „allergisch“ auf unüberlegte Eingriffe. Deshalb sollte bei Modernisierungen, insbesondere beim Thema Dämmung und Fenster immer vorher ein Sachverständiger gefragt werden. Dieser ist gar nicht so teuer wie viele denken und hilft dabei, teure Bauschäden wie Schimmel oder Schwammbefall zu vermeiden. Er macht eine Bestandsaufnahme, plant die behutsame Sanierung und kontrolliert die Ausführung durch die eingebundenen Fachfirmen für den Bauherrn, der ja meist bautechnischer Laie ist.

Gibt es eine Möglichkeit, die Kosten für die Schimmelbekämpfung im Vorfeld abzuschätzen?

Es führen immer einige Wege nach Rom. Deshalb ist es zunächst wichtig, die Schadensursache richtig zu erkennen und den Umfang des Schimmelbefalls. Dies kann nur ein speziell ausgebildeter Sachverständiger. Dieser ist dann in der Lage, eine relativ genaue Kostenschätzung im Rahmen seines Sachverständigen-Gutachtens aufzuzeigen und auch die Wege zu erklären, die zum gewünschten Sanierungsziel führen. Schließlich gehen Sie ja mit Zahnschmerzen auch nicht zu Ihrem Hausarzt oder zum Orthopäden oder?!?

 

Vielen Dank Herr Sommer für Ihre ausführlichen Antworten.

 

Wenn für dich jetzt noch Fragen offen geblieben sind, dann sprich doch direkt Herrn Sommer, hier findest du seine Kontaktdaten:

Schimmel im Haus bekämpfen, sanieren, Denkmalschutz

Claus-Peter Sommer

Claus-Peter Sommer
AWUSgepr. Sachverständiger für Schimmelpilze
Fa. Schimmel-Doktor – Wir heilen Ihr Zuhause!
Großenhainer Straße 8, 01561 Thiendorf OT Sack
E-Mail info@schimmel-doktor.de
Website
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Tel. +49 35240-76495

 

Quelle Bilder: www.schimmel-doktor.de (Stand 20.03.2017)

Comments 2

  1. ohne jegliches Hintergrundwissen zum Interviewpartner habe ich mich mit dem Vorurteil „mal wieder so ein Depp, der meint ein Profi zu sein und der versucht ein Produkt einem unterzujubeln“ an das Lesen des Artikels gemacht. Und siehe da: voll auf die Nase gefallen mit der Einstellung.
    Im Grunde habe ich dem Artikel nichts hinzuzufügen. Herr Sommer teilt mit mir die Meinung, dass Halbwissen grundsätzlich gefährlich, wenn nicht sogar fahrlässig ist und Bauherren sich lieber Hilfe beim Profi suchen sollten, die sich mit der Materie auskennen. Auch steht er wie ich auf dem Standpunkt, dass Einzelmaßnahmen immer im Gesamtkontext zu sehen sind (bloßes energetisches Aufwerten durch dreifache Isolierverglasung bei einem ansonsten nicht weiter ertüchtigten Gebäude ohne Hinblick auf die bauphysikalischen Auswirkungen ganz nach dem Motto „naja, Hauptsache ich verbrate weniger Energie, weil die Fenster reißen jetzt alles raus“) und nicht kurzsichtig gedacht/geplant/gebaut/versaut werden sollte.
    Die vorgeschlagenen Baumaterialien gehen konform mit denen, welche ich gerne vorschlage und welche denkmalverträglich sind (=da für das Gebäude schonend).
    Was ich allerdings noch anmerken möchte: Oftmals ist der „Schimmel“ im (Stein-)Keller, der gerade bei älteren Gebäuden, bei denen die Wände gestrichen worden sind, zum Vorschein kommt, gar kein Schimmel, sondern Ausblühungen von Salzen.
    Was mir im Artikel fehlt ist der Weg, wie man einen Sachverständigen findet? Gibt es hierzu eine Liste auf denen alle qualifizierten Sachverständigen verzeichnet sind?

    1. Post
      Author

      Claus-Peter Sommer: Hallo Frau Böllstorf, qualifizierte Sachverständige finden Sie zum Beispiel hier: http://www.verzeichnis-gutachter.de/ . Diese Suchmaschine ist natürlich nicht vollständig aber die Kollegen sind mir alle bekannt und entsprechend qualifiziert. Ansonsten gibt es diverse Gruppen auf FB, die sich intensiv mit Fragen und Antworten zum Thema Schimmel, Feuchteschäden, Baubiologie beschäftigen.

      Im Übrigen können Sie davon ausgehen, dass Salzausblühungen, gerade im Keller, fast immer vergesellschaftet sind mit einem mikrobiologischen Befall durch Pilze, Algen oder/und Bakterien…

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