Eingänge zur Gaststätte und zur Tanzschule

Bist du ledig – geh zu Wedig

 

Was der Titel mit dem Besuch der Löwenburg in Düsseldorf zu tun hat? Du wirst es herausfinden, wenn du mit mir zusammen eine echte Düsseldorfer Institution besuchst, in der dieses Jahr seit 120 Jahren wild gefeiert und getanzt wird.

Eingänge zur Gaststätte und zur Tanzschule

Straßenansicht der Gebäude

Vom Staufenplatz schlängelt sich die Ludenberger Straße so langsam die ersten Hügel des Bergischen Landes hoch, rechts und links säumen Häuser aus dem späten 19. Jahrhundert unseren Weg, zwischendurch einige unansehnliche Wiederaufbauten oder moderne Bürogebäude. Nach nur wenigen Minuten Fußmarsch erreichen wir die berühmte Löwenburg mit der Gaststätte „Schlebuschs“ daneben. Die letzte dieser Art Lokalitäten des berühmten Düsseldorfer Bermudadreiecks (so wurde diese Ecke genannt, da hier viele dieser Gaststätten mit Tanzsälen zu finden waren, so zu sagen die frühere Partymeile Düsseldorfs).

Hohe Kastanienbäume spenden dem Hof einen angenehm kühlen Schatten, während die Maisonne auf die Fassade leuchtet. Ich bin mit Frauke und Volker verabredet, die mich bereits im hinteren Teil des Grundstücks erwarten. Frauke und ihren zwei Schwestern gehört das Grundstück und die dazu gehörigen Gebäude. Mit ihrem Mann Volker zusammen betreibt sie das Tanzhaus Düsseldorf in der Löwenburg.

Was die beiden nicht wissen, ich habe meine Gesprächspartner natürlich im Vorfeld gegoogelt und während sie stets auf Understatement setzen, weiß ich, dass mir gerade Welt, Europa und Deutsche Meister in den Formations Tänzen gegenüber stehen mit einer beeindruckenden Vita. Doch wie kamen die beiden zu diesem tollen Gebäude?

Die Löwenburg wurde 1896 von einem Herrn Reuter erbaut. Ob dieser sie nur erbaut oder auch eine Zeit lang als Gaststätte betrieben hat, weiß Frauke nicht so genau, aber die Fotos sprechen dafür. Mit ihrem zweiten Besitzer, Georg Wedig, ist sie unter dem namen „Wedig“ berühmt geworden.

alte Fotos der Löwenburg in Düsseldorf-Ludenberg

Foto um die Jahrhundertwende der Gaststätte Reuter

Zur damaligen Zeit war es üblich, dass Gaststätten im hinteren Bereich einen Tanzsaal angeschlossen hatten. Die Löwenburg wurde also über das heutige Lokal Schlebuschs betreten, von dem aus die Partyhungrigen in den großen Saal gelangten. Hier flitzten Kellner entlang, eine Band spielte auf der Bühne und im rechten Bereich gab es eine weitere Bar, hinter der verliebte Pärchen in den oberen Logenbereich flüchten konnten. Kaum vorstellbar heute noch, oder?

In den 50er Jahren erlangte das Wedig dann seinen berüchtigten Ruf. „Bist du ledig – geh zu Wedig“ war ein beliebter Spruch. Günter Grass soll hier gefeiert haben und so darf sein Oskar in der Blechtrommel auch das Vergnügen haben, sich in der Löwenburg die Nacht um die Ohren zu schlagen.

Fraukes Großeltern haben im hinteren Teil des Grundstücks ab 1935 einen eigenen Getränkehandel betrieben und selbstproduzierte Limonade abgefüllt. Die alten Ställe der Arbeitspferde sind noch immer erhalten und werden nun als Lager genutzt. 1960 erwarben ihre Eltern das stark heruntergekommene Anwesen. Frauke macht in ihren Erzählungen eine kurze Pause: “Weißt du, eigentlich darf man gar nicht darüber nachdenken, wieviel Geld und Zeit in diese Gebäude geflossen sind, damit sie noch immer so gut erhalten sind.“ Teilweise feierten ca. 400 Gäste in dem Saal. „Eine verrückte Zeit“, meint Frauke, „10 Jahre haben das meine Eltern durchgehalten, dann ging es einfach nicht mehr.“

alte Fotos der Löwenburg in Düsseldorf-Ludenberg

historische Bilder der Löwenburg

alte Fotos der Löwenburg in Düsseldorf-Ludenberg

historische Bilder der Löwenburg

alte Fotos der Löwenburg in Düsseldorf-Ludenberg

historische Bilder der Löwenburg

In den 90ern haben sie und ihr Mann Volker den Saal erneut umgebaut und in ihm eine Tanzschule eröffnet. Der alte Flügel und das originale Tanzparkett sind noch immer erhalten. Etwas Besseres zum Tanzen als dieser über 100 Jahre alte Schwingboden? Kaum vorstellbar!

großer Tanzsaal des Tanzhauses Düsseldorf

Tanzsaal der Löwenburg heute mit dem historischen Boden und dem alten Flügel

Ich muss kurz einmal meine Augen schließen. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages leuchten in den Saal und tauchen ihn in ein goldenes Licht. Ich höre die ersten Klänge des schwarzen Flügels, eine Trompete kommt dazu. Die Tische sind bereits zu über der Hälfte besetzt. Einige Herren erheben sich und fordern die ersten Fräuleins zum Tanz auf. Ein verlegenes Kichern, dann folgen sie mit ihren schwingenden Röcken auf die Tanzfläche. Mehr und mehr Tanzpaare kommen dazu. Es wird viel gelacht, während sie mit ihren bunten Kleidern über die Tanzfläche wirbeln. Die Musik wird lauter und schneller. Das Bier schwappt den Kellnern aus den Gläsern, während sie von Tisch zu Tisch laufen und versuchen die durstigen Tänzer zu versorgen.

Verrückt, hier fühlt man einfach so viel Geschichte und steht irgendwie mittendrin. Frauke erlaubt mir überall einen Blick drauf zu werfen und so stiefle ich durch die Vorratsräume, in denen noch alte Limonadenflaschen der Großeltern stehen, krieche ins Dach und sitze am Ende gemütlich auf dem Hof in der Maisonne, hier wo mein Rundgang angefangen hat.

Zugang zur Gaststätte und Tanzschule

Straßenansicht des Gebäudekomplexes

Gebäude aus dem Jahr 1896

Fassade des Schlebuschs

Gebäude aus dem Jahr 1896

Fassade der Löwenburg

Fassadendetail des Tanzhauses in Düsseldorf

Detail der Fassade

Historische Details an der Löwenburg

Ring zum Anbinden der Pferde

Schlebuschs in Düsseldorf von innen

alte Kirchenverkleidung im Schlebuschs nachträglich angebracht

Zementplatten im Schlebuschs/Löwenburg in Düsseldorf

originaler Zementplattenboden in der Gaststätte Schlebuschs

Eingangstüre des Schlebuschs auf der Ludenberger Straße

nachträglich eingebaute Tiffany-Tür im Schlebuschs

Zugang zum Biergarten des Schlebuschs

Hofeinfahrt zur Löwenburg

Rückseite der Löwenburg

Ziegelfassade auf der Hofseite

Ziegelfassade auf der Hofseite

Rückseite der Löwenburg

Getränkehandel Schlebusch hinter der Löwenburg

historische Limonadenflaschen von Fraukes Großeltern

Übrigens: Frauke und Volker geben natürlich noch immer Tanzstunden in dem historischen Saal (viel Spaß und auch für Linksfüßler geeignet – eigene Erfahrung 😉 ) und auch für Events kann die Löwenburg gemietet werden. Das Schlebuschs kann man für kleinere Feierlichkeiten mieten. Schaut doch einfach einmal auf ihrer Website vorbei.

Besitzer des Tanzhaus Düsseldorf in der Löwenburg

Frauke Gösel-Schlebusch und Volker Gösel (Copyright Tanzhaus in der Löwenburg)

Tanzen im Tanzhaus Düsseldorf

Frauke und Volker beim Tanzen (Copyright Tanzhaus in der Löwenburg)

Tanzevent im Tanzhaus Düsseldorf

Tanzsaal während einer Veranstaltung (Copyright Tanzhaus in der Löwenburg)

Feiern in der Löwenburg

Löwenburg bei Nacht (Copyright Tanzhaus in der Löwenburg)

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