Haus am Walde in Unterbach

Von Generation zu Generation

Wie kommt es, dass bei manchen Menschen das Herz wie wild zu pochen anfängt, wenn sie einen Altbau sehen, während andere am liebsten in standardisierten Neubauten leben?

Vieles hat sicher auch mit bestimmten Charaktereigenschaften zu tun, die wir mit unserem Wohnumfeld nach außen tragen. Anderes vielleicht mit Prägungen aus unserem sozialen Umfeld.

Bei mir existiert diese Liebe bereits so lange, wie ich denken kann und hat ihren Ursprung bei einem ganz bestimmten Haus …

In den 30er Jahren bauten meine Urgroßeltern sich ihren Traum vom Eigenheim. Dabei kopierten Sie repräsentierende Bauelemente, die runter gebrochen auf ihre finanziellen Mittel, teils unpraktische und etwas amüsante Geschossgrundrisse hervorbrachten. Wichtig war meiner Uroma vor allem das in der Mitte des Hauses angesiedelte Treppenhaus. Im Grunde nichts weiter als eine schmale Treppe mit großem Flur, deren Inspirationsquelle jedoch die beeindrucken Eingangsbereiche der Villen zu dieser Zeit war.

In meiner Kindheit habe ich mich furchtbar gegruselt, im Dunkeln hier hoch zu meinem Kinderzimmer gehen zu müssen, denn auf dem galerieartigen Flur im Obergeschoss konnten sich ja die schlimmsten Monster verstecken.

Als meine Urgroßeltern verstorben sind, sind meine Eltern mit meiner kleinen Schwester und mir dort eingezogen. Ein für Kinderaugen riesiges Spielparadies. Um das Treppenhaus wurden wilde Bobbycar Rennen veranstaltet und im ca. 1400 m² großen Garten haben wir uns unter Johannisbeerbüschen versteckt. Bis heute sitzen wir alle sofort auf der großen Holzbank im Esszimmer, die quasi den ganzen Raum ausfüllt, und lassen uns von den lecker duftenden Speisen, die meine Mutter in der Küche zaubert, verwöhnen.

… und das beste daran, dass das Haus noch immer in Familienbesitz ist? Es sind Zeitzeugnisse aus den ersten Jahren des Hauses vorhanden. Fotos und Texte, die einen in andere Epoche reisen lassen.

Altbau in Düsseldorf Unterbach

Gästebuch und Fotoalbum Haus am Wald

 

Mittlerweile lebt mit meiner Nichte die fünfte Generation in dem Haus. Es gab viele Veränderungen mit den Jahren. Es wuchs mit seinen Bewohnern mit – was nicht immer zu Gunsten des guten Aussehens der alten Dame war.

Aktuell wird es zum Mehrgenerationenhaus umgebaut. Viele individuelle Details wurden über die Jahre erhalten und machen dieses Haus somit zu einem unverwechselbaren Unikat. Und mit etwas Phantasie erkennt man auch heute noch die beeindruckende Mittelstandsvilla in ihm, die meine Uroma bei der Planung im Kopf hatte.

Hier möchte ich euch die Fotos aus den ersten Jahren des Hauses präsentieren. Aus der Zeit als der Stadtteil Unterbach nur aus wenigen Häusern bestand und meine Urgroßeltern während des zweiten Weltkrieges Zimmer an Soldaten auf Heimaturlaub vermieteten …

 

Altbau in Düsseldorf Unterbach

Ansicht von der Straßenseite

Altbau in Düsseldorf Unterbach

Gartenansicht

Altbau in Düsseldorf Unterbach

Blick über Unterbach

Altbau in Düsseldorf Unterbach

Wohnzimmer

Altbau in Düsseldorf Unterbach

Eintrag aus dem Gästebuch

 

Was  bevorzugt ihr? Altbau oder Neubau? Und warum? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Comments 4

  1. Ich liebe Altbauten, habe sie in meiner Berliner Zeit schon geliebt und jetzt wohne ich in einem Haus, das ca. um 1900 rum gebaut wurde, genauer wissen wir es nicht, da es keine Unterlagen gibt, nur ein altes Foto von 1923, auf dem das ganze Ensemble (4-Seiten-Hof) zu sehen ist und auch schon eine Weile fertig gewesen sein muss (darauf schließe ich anhand der Bäume im Vorgarten). Auch die verwendeten Fliesen im Flur passen in die Zeit sowie Reste von Wandmalereien, die wir während der Sanierungsarbeiten entdeckt hatten. UnterDenkmalschutz steht es nicht.
    Warum Altbauten? In Berlin der Großzügigkeit der Räume, vor allem der Deckenhöhen, wegen und hier wegen der Geschichte des Hauses und des Hofes. Wenn die Mauern erzähen könnten… Das liebe ich an den Altbauten, sie haben eine Geschichte, einen Ursprung, sind in der Zeit verwurzelt und vor allem nicht so standardisiert wie die Neubauten. Eine Bauweise, die erst dem Materialmangel und später den Bauordnungen zur Last gelegt werden kann. In diesem Haus wurde je nach Bedarf an- und umgebaut und wir haben uns mit unserem Bedarf eingefügt. Wie soll ich sagen? Es lebt und atmet Atmosphäre aus, was mMn in einem Neubau einfach fehlt.

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      Ich stelle mir auch oft vor, was diese alten Mauern alles erzählen können müssen. Total spannend. Oder man nimmt eine Tapete ab und entdeckt darunter uralte Tapeten, die wunderschön sind und zeigen, wie der Raum früher einmal eingerichtet war. 🙂

  2. Wow! Tolle Familiengeschichte um das Haus. Vor allem die Wahrnehmung als Kind ist schön.
    Meine Oma hatte in den 50ern ein Haus (Pension) gebaut. Ich habe ähnlich Erinnerungen. Leider wurde das schöne große Haus, mit dem schönen Anwesen nach ihrem Tod verkauft 🙁 da alle in andere Teile Deutschlands ausgewandert waren und keiner mehr zurück wollte. Schade, denn auch ich habe eine ganz besondere Bindung gehabt.

    Der neue Eigentümer hat das Haus umgebaut, sodass man es heute nicht wieder erkennt. Keine Ahnung, ob ich das jetzt gut oder schlecht finden soll…

    Liebe Grüße, Steffi

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      So Geschichten erlebe ich in meinem Job ja auch oft. Deswegen weiß ich das auch sehr zu schätzen, dass bei uns das Haus noch immer im Familienbesitz ist. Auch das Haus meiner Großeltern wird mittlerweile von meinem Cousin bewohnt und ist somit in der Familie verblieben.

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