denkmalgeschütztes Haus in Hilden

Serie zum DSchG Teil 1: Denkmalschutz – wieso, weshalb, warum?

Denkmäler – unsere Zeitzeugen

Alle Denkmäler, seien es nun

  • Gebäude oder Gebäudegruppen
  • Parks, Gärten oder Friedhofsanlagen
  • tierische oder pflanzliche Überreste (z.B. Knochen) im Boden oder Verfärbungen und Vorformungen des Bodens (= Bodendenkmäler)
  • Gebäude und Wegeführungen in der Stadt, dem Stadtteil oder –viertel, Siedlungen oder nur Gehöftgruppen oder sonstige baulichen Ensembles (= Denkmalbereiche)
  • oder bewegliche Gegenstände wie Bilder, Skulpturen, etc. (= Bewegliche Denkmäler)

haben eine Geschichte und sind damit Ausdruck einer Kultur und einer geistigen Haltung. Sie prägen – wenn auch indirekt – unser Leben und tragen zu einem Heimatgefühl bei. Da sie unmittelbar aus einer damaligen Zeit stammen sind sie Zeitzeugen und Übermittler einer einstigen Kultur und Denkweise. Man könnte sie auch als 3D-Informationsträger bezeichnen, die erhalten bleiben müssen.

Die Erhaltung von Denkmälern gestern und heute

Nicht nur in der heutigen Zeit oder seit dem Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes in den 1980er Jahren, sondern seit jeher wird Altes durch Neues ersetzt. Nur so konnten die verschiedenen Techniken und Bauepochen wie Gotik, Renaissance, Barock, Jugendstil, aber auch die Moderne und Postmoderne entstehen. Epochen die heute in unserem Stadtbild sichtbar sind und es nach wie vor prägen.

Auch wenn es nun so klingen mag, als hätte es zu den Epochen keinen Denkmalschutz gegeben, so sei angemerkt, dass es das Bewahren von Beständen schon damals gab, jedoch eher ökonomische und traditionalistische Gründe hatte und weniger aus Geschichtsbewusstsein geschah.

Zur römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.) agierte man bewusst mit dem Bestand. Monumente wurden geschützt. Im Mittelalter (ca. 6. bis 15. Jahrhundert) war eine bewusste Rückbeziehung hingegen kein Thema. Der Bestand wurde hauptsächlich aus ökonomischen und religiösen Gründen erhalten. In der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert) setzte man sich wieder bewusst mit antiken Objekten auseinander. Bereits 1516 entstand die Landesarchäologie in Rom sowie – in Folge – erste Denkmalgesetze wie z.B. das Denkmalschutzgesetz für den Vatikan im Jahre 1624.

Erst mit der französischen Revolution, bei der Vieles vernichtet wurde, wurde der erste Prozess der bewussten Beschäftigung ausgelöst. Man besann sich auf die Werte der Vergangenheit zurück, der Nationalgedanke wurde sehr stark. Ein historischer Bezug stand in enger Verbindung mit der Politik.

Viollet-le-Duc, französischer Architekt, Denkmalpfleger und Kunsthistoriker, hatte großen Einfluss in ganz Europa, indem er zahlreiche Bauten rekonstruierte und restaurierte wie z.B. Notre-Dame in Paris oder die Cité von Carcassonne in Südfrankreich. Dabei versetzte er die Gebäude in einen vollständig der Epoche entsprechenden, wiederhergestellten Zustand – auch wenn es diesen Zustand eventuell nie so gab. Viele folgten seinem Beispiel, hatten sich jedoch zu wenig mit den Baustilen beschäftigt. Die Konsequenz war die Entstehung vieler Neo-Stile und der Verlust historischer Bestände.

Eine Gegenbewegung entstand mit John Ruskin 1849, der eine Gesellschaft gründete, die vor solche einer Restaurierung schützen sollte. Ebenso kämpfte Georg Dehio hiergegen an. Es galt: Konservieren, nicht restaurieren!

Durch die unterschiedlichen Standpunkte ist es nicht verwunderlich, dass sich die heutige Denkmalpflege wesentlich von der Denkmalpflege aus den 1980er und 1990er Jahren unterscheidet. Wurde damals noch ein Zustand der Vollkommenheit – ein Zustand der eventuell vorher nie existiert hat – angestrebt, so geht es heute in der Denkmalpflege um ein Schützen des Bestandes, d.h. um eine Erhaltung des aktuellen Zustands und damit um Bewahrung von Authentizität. Es gilt also bei allen Maßnahmen im Bereich des Denkmals zu beachten, dass nicht ein einheitliches, eventuell sogar von Zeitspuren bereinigtes Gesamtbild, sondern ein authentisches Bild zu schaffen bzw. zu erhalten ist. Nur so können unsere Zeitzeugen noch Generationen nach uns die Geschichte von Generationen vor uns vermitteln.

Dies zu gewährleisten ist die Aufgabe der heutigen Denkmalpflege und des Denkmalschutzes. Hierzu werden Denkmäler in einer Liste, die bei der jeweiligen Gemeinde einzusehen ist und nach drei Kategorien – bauliches Denkmal, Bodendenkmal und bewegliches Denkmal – gegliedert wird, eingetragen.

Gastbeitrag von:

Denkmalschutz Fachfrau

Michaela Böllstorf

Nach ihrem Architekturstudium arbeitete Michaela unter anderem für das Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften und das Bundesdenkmalamt in Österreich sowie für eine für den Denkmalschutz zuständige, staatliche Dienststelle in Deutschland.

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