Gründerzeit Haus in Hilden

3 Gründe warum ich den Begriff Gründerzeit Architektur nicht mag!

 

  1. der Begriff Gründerzeit Architektur suggeriert, es gäbe einen bestimmten Baustil, der so betitelt wäre.
  1. eigentlich ist es ein umgangssprachiger Name, der in wissenschaftlichen Publikationen kaum vorkommt
  1. er führt zu Verwirrungen, da er nicht stilistisch klar abgegrenzt ist und so plötzlich Bilder von Häusern, die im Historismus erbaut wurden, gezeigt werden, die den Titel „Haus im Jugendstil von 1904“ haben und in deren Beschreibungen auf die beeindruckende Gründerzeit-Architektur eingegangen wird. (ja ganz schrecklich, schau hier einfach mal bei den gängigen Immobilienportalen im Internet nach)

Meinen ersten Kontakt mit dem Begriff hatte ich somit auch nicht während meines Architekturstudiums (und Gott weiß, ich habe das Fach Architektur Geschichte inhaliert) sondern erst als ich bei einem Immobilienmakler anfing zu jobben. – IMMOBILIE IN GRÜNDERZEITSTIL ZU VERKAUFEN – 20 Fragezeichen in meinem Gesicht. Im Kopf ging ich alle Vorlesungen von Prof. Werner durch, ließ die Prüfung review verlaufen und hatte doch keine andere Antwort zu dem Bild: Verdammt, das ist doch Historismus!!!!

Also was ist genau mit Gründerzeit Architektur gemeint?

Mit der Gründerzeit wird im Großen und Ganzen die Zeit der Hochindustrialisierung rund um die Zeit der Gründung des Deutschen Reichs betitelt. Jetzt gibt es ein Problem bei der Architektur dieser Zeit – das zu Geld gekommene Bürgertum kopierte jeden Baustil, den es finden konnte für seine repräsentativen Bauten.

Das 19. Jahrhundert startet mit dem Klassizismus, der sich die antike Architektur als Grundlage nahm, ging fließend über in den Historismus, die wohl unter Architekten verschrienste Architekturepoche und es endete quasi Anfang des 20. Jahrhunderts im Jugendstil.

Wie erkenne ich Häuser im Historismus?

Mit einem geschulten Auge erkennst du den Historismus eigentlich recht leicht. Schau dir das Gebäude an – ja es sieht toll historisch aus – aber irgendwie stimmen Materialität und Baustil nicht zusammen? Tadaaaa, das ist Historismus. Denn obwohl im Neobarock, Neoklassizismus, der Neugotik etc., um nur einige der Stilrichtungen zu nennen, auf historische Vorbilder zurück gegriffen wurde, verbot sich das Bürgertum nicht, moderne und innovative Baumaterialien zu benutzen (wir befinden uns zeitlich ja auch gerade mitten in der Industrialisierung).

Der auf den Historismus folgende Jugendstil blieb bei den stark verzierten und repräsentierenden Bauelementen, bezog sich jedoch nicht mehr auf historische Vorbilder, sondern benutzte florale Muster zur Verzierung. So richtig innovativ war das also nicht.

Optisch sehen die Gebäude natürlich beeindruckend aus, die hohen Decken (ca. 3,20 m, beim Jugendstil sogar im Schnitt fast 4 m), die reichen Verzierungen, die repräsentativen Grundrisse, die großen Fenster, die die Räume im Licht leuchten lassen … ach ja, einfach ein Traum

… oder was meinst du?

klassizistische Fassaden Altbau von ca. 1900 in Hilden

Altbau von ca. 1900 in HildenAltbau aus der Gründerzeit in Hilden

Comments 2

  1. Das ist ja mal toll. So als Städtetourist, fallen mir natürlich immer wieder tolle Gebäude auf. Oft hab ich mich schon gefragt, welcher Stil das jeweilige Gebäude hat. Dieser Artikel beschreibt einige dieser Stile auch für Laien gut verständlich. Danke dafür.

    lg Nadine von Nannis Welt

    1. Post
      Author

      Das freut mich, dass es dir gefallen hat. 🙂 Ich werde bald auch versuchen die einzelnen Stilrichtungen zu erklären. Das stellt mich aber unter eine echte Herausforderung, da oft alles querbeet gemischt wurde. Ein Teil gotisch, ein bisschen barocker Stuck und ein antiker Portikus dazu. Historismus ist schon eine verrückte Architekturepoche. LG zurück

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