Dreiflügelhaus in Düsseldorf-Wittlaer

Mürrische Beamte versauen einem die Lust auf Denkmalschutz

Warum schimpfen so viele Menschen über den Denkmalschutz? Einen Grund dafür konnte ich letzte Woche am eigenen Leib erfahren. Mit der unteren Denkmalbehörde in Düsseldorf war ich bisher noch nicht selber in Kontakt gekommen. Da wir aber aktuell eine Wohnung im Dreiflügelhaus in Düsseldorf-Wittlaer im Vertrieb haben, bat mich mein Kollege, bei der Behörde zu recherchieren, was genau unter Denkmalschutz steht.

Das Dreiflügelhaus ist wohl unter den meisten Altbauliebhabern in Düsseldorf kein unbekanntes Gebäude. Das imposante Haus wurde 1906 errichtet und diente zu der Zeit als Kinderheim. Seinen Namen hat es von seiner Grundrissform, die von oben betrachtet wie ein großes E aussieht. Also länglicher Hauptkörper zur Straße und drei nach hinten in den Garten ragende Flügel. Die ungewöhnliche Bauform soll an die englischen Schlösser erinnern.

Dreiflügelhaus in Düsseldorf-Wittlaer

Dreiflügelhaus in Düsseldorf-Wittlaer

In den späten 90er Jahren wurde der denkmalgeschützte Gebäudekomplex zu 66 Eigentumswohnungen umgebaut, die sehr individuell sind und alle baujahrstypische Merkmale vorweisen.

Nun sind dort während des Umbaus natürlich einige größere Veränderungen von statten gegangen. Die Maisonettwohnungen erhielten vertikale Durchbrüche mit Treppen, Wände wurden neu gesetzt oder entfernt, Bäder eingezogen, wo vorher keine waren. Beim Fischgrätparkett rätseln wir, ob dieses nicht auch nachträglich verlegt wurde, denn zu einem Kinderheim passt dieser hochwertige Boden nicht so ganz.

Der klägliche Versuch an Informationen zu kommen

Ich also voller Hoffnung bei dem zuständigen Sachbearbeiter angerufen. Es war Dienstag Nachmittag, keiner hob mehr ab. Also hinterließ ich eine Nachricht. Keine Reaktion darauf in den nächsten Tagen. Freitags versuchte ich es erneut, blöder Weise am frühen Nachmittag. Ich ging also bereits davon aus, dass niemand mehr da sein würde. Doch oh Wunder, es hob eine Dame ab.

Nach meiner ersten Nachfrage, ob sie, trotz dass Sie nicht die richtige Ansprechperson wäre, das Dreiflügelhaus kenne, kam ein:“Ja, klar, sehr gut sogar.“ Ich war begeistert. Also erklärte ich ihr den Sachverhalt und fragte danach, ob sie mir sagen könnte, welche Bauteile unter Denkmalschutz ständen. Jetzt wurde die Dame mürrisch:“Das kann man nur bei einer Vorort-Begehung herausfinden.“ Auf meine Nachfrage, ob nicht bei dem noch sehr jungen Umbau, dies bereits einmal grob schriftlich festgelegt wurde, wurde sie noch mürrischer:“ Meinen Sie, ich hätte jetzt Zeit die Akte davon durchzulesen?“ Ich war verwirrt, für eine Begehung hatte sie Zeit, aber kurz in einer Akte nachzublättern, war zu anstrengend? Meine Begeisterung darüber, dass ich nun sicher wusste, dass es eine dicke Akte gibt, war jedoch größer.

Nun ist mir zum Glück bekannt, dass Akteneinsichten in Düsseldorf sehr unkompliziert sind. Und siehe da, dank meiner Vorkenntnisse dazu, stellte ich die richtigen Fragen und bekam die Zeiten zur freien Sprechstunde mitgeteilt, in der ich mir selber die Akte durchlesen darf (Dienstags zwischen 09:00 und 13:00 Uhr, wen es interessiert. Kann man aber sonst auch auf der Website erfahren).

Im persönlichen Gespräch wird es auch nicht besser

Dienstags vor Ort wurde die ganze Geschichte dann aber auch nicht leichter. Ich traf nämlich wieder auf die Dame am Telefon, denn wie sich herausstellte war der zuständige Sachbearbeiter krank. Ich vermute daher stammte auch die blendende Laune der guten Frau.

Ich trug erneut mein Anliegen vor, woraufhin sie mir mitteilte, da wäre ich ja bei ihr ganz falsch, das könnte ich doch nur in der Bauakte unten im Bauaktenarchiv nachsehen … ich sage mal nichts dazu. Ich bat trotzdem um die Akte. Sie knallte mir vier Ordner auf den Tisch. Und siehe da, im ersten Ordner auf Seite 5 stand bereits, was ich suchte.

Während ich sicherheitshalber trotzdem die anderen Ordner noch durchblätterte, überlegte ich mir bereits die richtigen Fragen, um den Rest der fehlenden Informationen aus der Dame herauszubekommen.

Es erübrigt sich eigentlich zu erwähnen, dass sie bei jeder der Fragen genervt erst einmal Luft ausschnaubte, mich von oben herab anschaut, als ob sie die ganze Zeit dachte:“ wie kann man so dämliche Fragen stellen?“ , und nur widerwillig mit den gewünschten Informationen rausrückte. Aber am Ende stellte sich heraus, dass der ganze Vorgang kurzfristig und unkompliziert zu bewältigen ist.

Ich weiß bereits im groben, was alles geändert werden darf. Interessent überlegt sich, was er genau ändern will. Innerhalb von zwei Wochen gibt es eine Begehung und somit bekommt der Käufer noch währende seine Finanzierungsprüfung läuft die Sicherheit, dass sein Umbauvorhaben funktioniert. Extremst unkompliziert alles.

Jeder Laie wäre wahrscheinlich an dieser nicht ganz so blendend gelaunten Dame gescheitert und hätte von dem Erwerb der wunderschönen Wohnung Abstand genommen. So etwas darf einfach nicht passieren. Nicht, weil ich dann als Maklerin kein Geld verdiene (was natürlich auch nicht schön ist 🙂 ), sondern weil es dann keine engagierten Denkmaleigentümer gibt, die mit ganz viel Herzblut diese besonderen Gebäude pflegen.

Wenn es nach mir ginge …

Ich bin in meinem Job Dienstleister durch und durch. Ich erkläre jedem Kunden ungefragt Vorgänge, weil ich weiß, dass die meisten nur ein bis zwei Mal im Leben eine Immobilie erwerben oder verkaufen. Etwas ähnliches hätte ich also auch von der entsprechenden Dame der unteren Denkmalbehörde erwartet. Denkmalschutz ist für jeden, der noch nie damit zu tun hatte, eine solche große Unbekannte, da sollte jeder Mitarbeiter der unteren Denkmalbehörde sich die Zeit nehmen, freundlich auf eine Nachfrage zu reagieren, egal wie blöd die Frage ist.

Mich würde daher interessieren, was deine Erfahrung mit der unteren Denkmalbehörde ist?

 

(mir ist im Übrigen natürlich klar, dass die Dame wahrscheinlich keine Beamtin ist, sondern Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst, aber das wäre als Titel zu lang 😉 )

 

Du möchtest etwas mehr über das Denkmalschutzgesetz erfahren? Dann hier entlang:

denkmalgeschütztes Haus in Hilden

Denkmalschutzgetz

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